Auf dem Basketball-Feld stehen in viele Kinder im Rollstuhl einem Rollstuhl-Basketballer gegenüber, der einen Ball hochhält und ihnen etwas erklärt.
© DOSB
10.06.2026 Lesedauer: 6 min.

„Arbeit im Sport ist auch mit Behinderung selbstverständlich möglich“

Der DOSB möchte das Berufsfeld „Sport“ für Menschen mit Behinderungen weiter öffnen. In einem auf fünf Jahre angelegten Projekt, gefördert vom Bundes­minis­te­rium für Arbeit und Soziales aus den Mitteln des Ausgleichs­fonds, wurden Event-Inklusions­managerinnen und -manager mit Behinderung in Sport­orga­nisationen angestellt. Theresa Windorf begleitete das Projekt „Event-Inklusions­manager*in im Sport“ bis zu seinem Abschluss Ende 2025. Wir trafen sie zum Interview.

Der DOSB begleitete Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager vier Jahre lang im Sport. Worum ging es bei dem Projekt?

Windorf: Im Kern ging es darum, mehr Menschen mit Schwerbehinderung in den Arbeitsmarkt Sport zu bringen. Voraussetzung für die geförderten Stellen war ein Grad der Behinderung von mindestens 50 oder eine Gleichstellung. Ziel war es, diese Menschen in Sportorganisationen zu beschäftigen – mit dem klaren Schwerpunkt, Veran­staltungen und Events barriere­frei und inklusiv zu gestalten.

Insgesamt wurden 25 Stellen in zwei Projekt­phasen geschaffen. Jede dieser Stellen war mit der Aufgabe verbunden, mindestens eine Veranstaltung inklusiv und weit­gehend barrierefrei umzusetzen. Gleichzeitig war uns die Netzwerkarbeit wichtig: Die Teilnehmenden sollten voneinander lernen, sich austauschen und gemeinsam Expertise aufbauen. Weiterhin wurde ein bundesweites Netzwerk zwischen dem Sport und Behinderten- und Selbsthilfeorganisationen sowie Sozialverbänden aufgebaut. Dieses Netzwerk besteht auch über das Projektende hinaus weiter.

Welche Arten von Veranstaltungen wurden durch die Event-Inklusions­managerinnen und -manager begleitet?

Das war sehr unterschiedlich. Einige arbeiteten auf große internatio­nale Sportevents hin, etwa das Internationale Deutsche Turn­fest oder die Rhine-Ruhr FISU World University Games. (Anmerkung der Redaktion: Die World University Games finden alle zwei Jahre statt und sind einer der wichtigsten Wett­bewerbe im internatio­nalen Hoch­schulsport. 2025 fand das Multisport-Event vom 16. bis 27. Juli in mehreren Städten im Ruhr­ge­biet und in Berlin statt.) Andere wiederum waren in Verbänden oder Vereinen tätig und haben bestehende oder neue Veran­stal­tungen, Jubiläen oder Verbands­tage inklusiv gestaltet. Ent­schei­dend war weniger die Größe des Events als vielmehr der Perspektiv­wechsel: Barriere­freiheit und Inklusion sollten von Anfang an mit­ge­dacht werden.

Entscheidend war weniger die Größe des Events als vielmehr der Perspektivwechsel: Barrierefreiheit und Inklusion sollten von Anfang an mitgedacht werden.

Theresa Windorf
Porträtbild von Theresa Windorf
Theresa Windorf war Projektleiterin des Projekts „Event-Inklusionsmanager*in im Sport“ des DOSB. Seit Anfang 2026 ist sie Referentin für die fachlich-inhaltliche Steuerung von Inklu­sions­themen beim DOSB. Dort verantwortet sie mit ihrem Team die strategische Weiter­ent­wicklung des Themen­feldes Inklusion im und durch Sport.

Netzwerktreffen waren ein wichtiger Teil des Projektes. Dort kamen sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Wen hätte man dort getroffen?

Die Vielfalt war tatsächlich groß. Dabei waren unter anderem Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer, blinde und sehbehinderte Menschen, gehörlose Personen, Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie Teilnehmende mit nicht sichtbaren Behinderungen, etwa nach schweren Erkrankungen. Zwei Personen sind über das Projekt sogar aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt gewechselt und arbeiten dort bis heute weiter. Diese Vielfalt hat den Austausch enorm bereichert – fachlich wie persönlich.

Das klingt auch nach großen organisatorischen Herausforderungen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Wir haben die Teilnehmenden immer direkt gefragt: Was braucht ihr? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig? Zudem konnten wir auf Erfahrungen aus einem vorherigen Projekt zurückgreifen. Wichtig war uns, nicht über die Köpfe der Beteiligten hinweg zu planen. Deshalb gab es kleine Vorbereitungsgremien, in denen die Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager selbst an der Gestaltung von Workshops und Treffen mitgewirkt haben – sowohl inhaltlich als auch mit Blick auf Barrierefreiheit.

Gut zu wissen

Im Zuge des Projektes wurde auch eine Webplattform geschaffen, auf der wichtige Infos und Fragen rund um barrierefreie Events gebündelt sind. Die Plattform ist frei zugänglich.

Zur Webplattform

Wie hat sich Ihrer Einschätzung nach der Arbeitsmarkt Sport für Menschen mit Behinderung in den letzten Jahren entwickelt?

Ich würde sagen: Es ist besser geworden, auch dank solcher Projekte. Begegnung ist ein entscheidender Faktor. Wenn Menschen mit Behinderung selbstverständlich in Sportorganisationen arbeiten, verändert dies Strukturen und Haltungen. Unsere Nachhaltigkeitsbefragung, durchgeführt vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., zeigt, dass in rund einem Viertel der beteiligten Organisationen während der Projektlaufzeit weitere Menschen mit Behinderung eingestellt wurden – und in etwa 20 Prozent sogar nach Projektende. Das ist ein klares Signal.

  • An einem Stand im Grünen unter einem Sonnenschirm begrüßt ein junger Mann im Rollstuhl einen anderen Mann, eine junge Frau steht daneben.
    Ein Angebot für alle. Inklusion von Anfang an mitdenken! Das war das Motto, unter das Event-Inklusionsmanager Tyll-Niklas Reinisch die Organisation des Jubiläumstags des Kreissportverbands Nordfriesland setzte.
  • Ein Snowboardfahrer fährt über eine Cross-Strecke.
    Auch der Snowboard-Sport lässt sich inklusiv gestalten, wie zum Beispiel im Projekt „Alle an Board – Inklusives Snowboarden für Alle“, bei Trainingslehrgängen für Para-Snowboarder oder im Adaptive Snowboard Camp. Beim Snowboard Verband Deutschland e.V. arbeiten gleich zwei Event-Inklusionsmanager.
  • Auf einer Laufbahn sehen zwei Kinder am Start, eine Frau gibt das gerade das Startzeichen. Dahinter stehen weitere Kinder und warten.
    In Zusammenarbeit mit der SINE-CURA-Schule in Gernrode (Sachsen-Anhalt) stellte Event-Inklusionsmanager Thorsten Baumeister im September 2024 den Buddy-Sportabzeichentag auf die Beine: eine inklusive Form, um das Sportabzeichen abzulegen. Schüler mit Förderbedarf in der geistigen Entwicklung suchten sich dafür Tandem-Partner aus der benachbarten Grundschule, sogenannte Buddys.
  • An einer Ruderstrecke stehen mehrere Personen und helfen einem Ruderer ins Boot, rechts am Rand ist ein leerer Rollstuhl zu sehen.
    Mit dem Aktionstag beim Breisacher Ruderverein sollen junge und ambitionierte Para Ruderer angesprochen werden. Organisiert wurde die Aktion von Event-Inklusionsmanager Marc Lembeck.
  • Ein Badmintonfeld: zwei gemischte Doppels - jeweils ein Spieler im Rollstuhl und ein Spieler ohne Gehbehinderung tragen ein Match aus.
    Gemischte Teams im Badminton: Hier spielen Spieler im Rollstuhl zusammen mit Spielern ohne Gehbehinderung.
  • Ein Vortrag: In einem großen Raum stehen locker verteilt die Zuhörer.
    Die Rhine-Ruhr 2025 FISU World University Games wurden auch von Event-Inklusionsmanager Louis Kleemeyer mit organisiert.
  • In einer Judo-Halle kämpfen zwei Jugendliche miteinander. Im Hintergrund sieht man weitere Judokas.
    Sebastian Junk (hinten links im Bild) ist Event-Inklusionsmanager beim Deutschen Judo Bund (DJB). Hier rief er unter anderem die Para Judo Tour ins Leben, ein Schnupperangebot für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche.

Die Stellen waren zunächst befristet und aus Fördermitteln finanziert. Wie ging es danach weiter?

Von Beginn an haben wir transparent gemacht, dass zwei Jahre schnell vorbei sind, und mögliche Anschluss­finan­zierungen aufgezeigt. Dazu gehörten Gespräche mit der Agentur für Arbeit und den Inklusions- und Integrations­ämtern sowie Projekt­för­de­rungen. Einige Verbände konnten die Stellen aus Eigen­mitteln weiterführen, andere über Förderungen. Es gab aber auch Fälle, in denen eine Weiter­beschäf­tigung nicht möglich war – etwa aufgrund struktureller Veränderungen oder neuer beruflicher Perspektiven der Beschäftigten. Eine Teil­nehm­ende ist beispiels­weise ins Inklusions­team eines großen deutschen Wirtschafts­unternehmens gewech­selt. 

Der Eventbereich gilt als besonders stressig. War das Thema Arbeitsbelastung Teil des Projekts?

Ja, durchaus. Wir haben über die Führungs-Akademie des DOSB begleitende Coaching-Formate angeboten, in denen aktuelle Herausforderungen reflektiert werden konnten. Dabei ging es auch um Kommunikation im Verband, Rollenklärung oder strukturelle Überforderung. Ein Beispiel zeigt gut, wie wichtig individuelle Lösungen sind: In einem Fall wurde schließlich eine Arbeitsassistenz bewilligt. Als diese Unterstützung da war, hat sich die Situation deutlich entspannt – für die beschäftigte Person wie auch für das Team.

Gruppenbild: Frauen und Männer, ein Teil von ihnen hält Abschlussurkunden in der Hand.
Abschlusstreffen der ersten Projektphase mit allen Event-Inklusionsmanager*innen (und ihren abschließenden Urkunden) und begleitenden Ansprechpersonen bei den Sportorganisationen für das Projekt sowie Menschen aus der Projektbegleitung (wissenschaftliche Begleitung, Evaluation, Projektcoaching, Jobcoaching, DOSB-Projektkoordination).

Wie fiel das Feedback der Projektteilnehmenden selbst aus?

Sehr positiv. Natürlich wurde häufig angemerkt, dass zwei Jahre Projektlaufzeit kurz sind und teil­weise Unsicher­heiten erzeugen. Aber viele berichteten, dass sie sich im Sport­umfeld erstmals wirklich wert­geschätzt gefühlt haben – auch im Vergleich zu früheren Erfah­rungen auf dem allge­meinen Arbeits­markt. Ein Zitat aus der Evaluation lautet: „Das Projekt hat mir gezeigt, dass ich auch mit meiner Be­hin­de­rung einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt habe.“ Diese Rückmeldungen zeigen, wie stärkend das Projekt gewirkt hat.

Gab es bestimmte Vorkenntnisse, die man für die Stelle mitbringen musste?

Nein, zwingend erforderlich waren sie nicht. Manche Teilnehmende hatten einen sportlichen Hintergrund, andere kamen aus dem Event- oder Inklusionsbereich. Entscheidend war die Perspektive: der Blick aus der eigenen Behinderung hinaus auf Barrieren – und der Wille, daran etwas zu verändern.

Außerdem haben die Teilnehmenden die Qualifizierungsmaßnahme „Event­manage­ment im Sport – Gemeinsam.Barrierefrei.Erleben“ der Führungs-Akademie des DOSB absolviert und damit weitere Kompetenzen für ihre Aufgaben erworben.

Vier Event-Inklusionsmanager sitzen in einer Reihe an einem Tisch, Namensschilder stehen vor ihnen.
Treffen in der Geschäftsstelle des DOSB mit allen Event-Inklusionsmanagern der ersten Projektphase zum Austausch und Empowerment.

Wie geht es mit dem Thema „Arbeiten mit Behinderung im Sport“ nun weiter?

Für uns ist klar: Das Thema bleibt zentral. Auch wenn große Förderprojekte immer eine Ressourcenfrage sind, ist die Stärkung von Menschen mit Behinderung im Haupt- und Ehrenamt fest in unserer Strategie verankert. Wir setzen weiter auf Sensibilisierung, Beratung und Lobbyarbeit – auch, um langfristig bessere Förderstrukturen zu erreichen.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft der Inklusion im Berufsfeld Sport?

Ich wünsche mir vor allem schnellere und reibungslosere bürokratische Prozesse. Wenn Menschen mit Behinderung eine Stelle antreten, sollten Assistenz, Hilfsmittel und Unterstützung von Anfang an verfügbar sein. Das entlastet die Beschäftigten genauso wie die Arbeitgeber – und sorgt dafür, dass Inklusion nicht an Verwaltung scheitert, sondern im Arbeitsalltag wirklich gelebt werden kann.

Event-Inklusionsmanager*in im Sport

Mehr Infos zum Projekt und zu den Teilnehmenden inklusive Porträts und einem Abschlusskommentar finden sich auf der Website des DOSB.

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