
Der DOSB möchte das Berufsfeld „Sport“ für Menschen mit Behinderungen weiter öffnen. In einem auf fünf Jahre angelegten Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus den Mitteln des Ausgleichsfonds, wurden Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager mit Behinderung in Sportorganisationen angestellt. Theresa Windorf begleitete das Projekt „Event-Inklusionsmanager*in im Sport“ bis zu seinem Abschluss Ende 2025. Wir trafen sie zum Interview.
Der DOSB begleitete Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager vier Jahre lang im Sport. Worum ging es bei dem Projekt?
Windorf: Im Kern ging es darum, mehr Menschen mit Schwerbehinderung in den Arbeitsmarkt Sport zu bringen. Voraussetzung für die geförderten Stellen war ein Grad der Behinderung von mindestens 50 oder eine Gleichstellung. Ziel war es, diese Menschen in Sportorganisationen zu beschäftigen – mit dem klaren Schwerpunkt, Veranstaltungen und Events barrierefrei und inklusiv zu gestalten.
Insgesamt wurden 25 Stellen in zwei Projektphasen geschaffen. Jede dieser Stellen war mit der Aufgabe verbunden, mindestens eine Veranstaltung inklusiv und weitgehend barrierefrei umzusetzen. Gleichzeitig war uns die Netzwerkarbeit wichtig: Die Teilnehmenden sollten voneinander lernen, sich austauschen und gemeinsam Expertise aufbauen. Weiterhin wurde ein bundesweites Netzwerk zwischen dem Sport und Behinderten- und Selbsthilfeorganisationen sowie Sozialverbänden aufgebaut. Dieses Netzwerk besteht auch über das Projektende hinaus weiter.
Welche Arten von Veranstaltungen wurden durch die Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager begleitet?
Das war sehr unterschiedlich. Einige arbeiteten auf große internationale Sportevents hin, etwa das Internationale Deutsche Turnfest oder die Rhine-Ruhr FISU World University Games. (Anmerkung der Redaktion: Die World University Games finden alle zwei Jahre statt und sind einer der wichtigsten Wettbewerbe im internationalen Hochschulsport. 2025 fand das Multisport-Event vom 16. bis 27. Juli in mehreren Städten im Ruhrgebiet und in Berlin statt.) Andere wiederum waren in Verbänden oder Vereinen tätig und haben bestehende oder neue Veranstaltungen, Jubiläen oder Verbandstage inklusiv gestaltet. Entscheidend war weniger die Größe des Events als vielmehr der Perspektivwechsel: Barrierefreiheit und Inklusion sollten von Anfang an mitgedacht werden.
Entscheidend war weniger die Größe des Events als vielmehr der Perspektivwechsel: Barrierefreiheit und Inklusion sollten von Anfang an mitgedacht werden.
Theresa Windorf

© DOSB
Netzwerktreffen waren ein wichtiger Teil des Projektes. Dort kamen sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Wen hätte man dort getroffen?
Die Vielfalt war tatsächlich groß. Dabei waren unter anderem Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer, blinde und sehbehinderte Menschen, gehörlose Personen, Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie Teilnehmende mit nicht sichtbaren Behinderungen, etwa nach schweren Erkrankungen. Zwei Personen sind über das Projekt sogar aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt gewechselt und arbeiten dort bis heute weiter. Diese Vielfalt hat den Austausch enorm bereichert – fachlich wie persönlich.
Das klingt auch nach großen organisatorischen Herausforderungen. Wie sind Sie damit umgegangen?
Wir haben die Teilnehmenden immer direkt gefragt: Was braucht ihr? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig? Zudem konnten wir auf Erfahrungen aus einem vorherigen Projekt zurückgreifen. Wichtig war uns, nicht über die Köpfe der Beteiligten hinweg zu planen. Deshalb gab es kleine Vorbereitungsgremien, in denen die Event-Inklusionsmanagerinnen und -manager selbst an der Gestaltung von Workshops und Treffen mitgewirkt haben – sowohl inhaltlich als auch mit Blick auf Barrierefreiheit.
Im Zuge des Projektes wurde auch eine Webplattform geschaffen, auf der wichtige Infos und Fragen rund um barrierefreie Events gebündelt sind. Die Plattform ist frei zugänglich.
Zur WebplattformWie hat sich Ihrer Einschätzung nach der Arbeitsmarkt Sport für Menschen mit Behinderung in den letzten Jahren entwickelt?
Ich würde sagen: Es ist besser geworden, auch dank solcher Projekte. Begegnung ist ein entscheidender Faktor. Wenn Menschen mit Behinderung selbstverständlich in Sportorganisationen arbeiten, verändert dies Strukturen und Haltungen. Unsere Nachhaltigkeitsbefragung, durchgeführt vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., zeigt, dass in rund einem Viertel der beteiligten Organisationen während der Projektlaufzeit weitere Menschen mit Behinderung eingestellt wurden – und in etwa 20 Prozent sogar nach Projektende. Das ist ein klares Signal.
Die Stellen waren zunächst befristet und aus Fördermitteln finanziert. Wie ging es danach weiter?
Von Beginn an haben wir transparent gemacht, dass zwei Jahre schnell vorbei sind, und mögliche Anschlussfinanzierungen aufgezeigt. Dazu gehörten Gespräche mit der Agentur für Arbeit und den Inklusions- und Integrationsämtern sowie Projektförderungen. Einige Verbände konnten die Stellen aus Eigenmitteln weiterführen, andere über Förderungen. Es gab aber auch Fälle, in denen eine Weiterbeschäftigung nicht möglich war – etwa aufgrund struktureller Veränderungen oder neuer beruflicher Perspektiven der Beschäftigten. Eine Teilnehmende ist beispielsweise ins Inklusionsteam eines großen deutschen Wirtschaftsunternehmens gewechselt.
Der Eventbereich gilt als besonders stressig. War das Thema Arbeitsbelastung Teil des Projekts?
Ja, durchaus. Wir haben über die Führungs-Akademie des DOSB begleitende Coaching-Formate angeboten, in denen aktuelle Herausforderungen reflektiert werden konnten. Dabei ging es auch um Kommunikation im Verband, Rollenklärung oder strukturelle Überforderung. Ein Beispiel zeigt gut, wie wichtig individuelle Lösungen sind: In einem Fall wurde schließlich eine Arbeitsassistenz bewilligt. Als diese Unterstützung da war, hat sich die Situation deutlich entspannt – für die beschäftigte Person wie auch für das Team.

© DOSB/ Kai Peters
Wie fiel das Feedback der Projektteilnehmenden selbst aus?
Sehr positiv. Natürlich wurde häufig angemerkt, dass zwei Jahre Projektlaufzeit kurz sind und teilweise Unsicherheiten erzeugen. Aber viele berichteten, dass sie sich im Sportumfeld erstmals wirklich wertgeschätzt gefühlt haben – auch im Vergleich zu früheren Erfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Ein Zitat aus der Evaluation lautet: „Das Projekt hat mir gezeigt, dass ich auch mit meiner Behinderung einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt habe.“ Diese Rückmeldungen zeigen, wie stärkend das Projekt gewirkt hat.
Gab es bestimmte Vorkenntnisse, die man für die Stelle mitbringen musste?
Nein, zwingend erforderlich waren sie nicht. Manche Teilnehmende hatten einen sportlichen Hintergrund, andere kamen aus dem Event- oder Inklusionsbereich. Entscheidend war die Perspektive: der Blick aus der eigenen Behinderung hinaus auf Barrieren – und der Wille, daran etwas zu verändern.
Außerdem haben die Teilnehmenden die Qualifizierungsmaßnahme „Eventmanagement im Sport – Gemeinsam.Barrierefrei.Erleben“ der Führungs-Akademie des DOSB absolviert und damit weitere Kompetenzen für ihre Aufgaben erworben.

© DOSB/ Kai Peters
Wie geht es mit dem Thema „Arbeiten mit Behinderung im Sport“ nun weiter?
Für uns ist klar: Das Thema bleibt zentral. Auch wenn große Förderprojekte immer eine Ressourcenfrage sind, ist die Stärkung von Menschen mit Behinderung im Haupt- und Ehrenamt fest in unserer Strategie verankert. Wir setzen weiter auf Sensibilisierung, Beratung und Lobbyarbeit – auch, um langfristig bessere Förderstrukturen zu erreichen.
Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft der Inklusion im Berufsfeld Sport?
Ich wünsche mir vor allem schnellere und reibungslosere bürokratische Prozesse. Wenn Menschen mit Behinderung eine Stelle antreten, sollten Assistenz, Hilfsmittel und Unterstützung von Anfang an verfügbar sein. Das entlastet die Beschäftigten genauso wie die Arbeitgeber – und sorgt dafür, dass Inklusion nicht an Verwaltung scheitert, sondern im Arbeitsalltag wirklich gelebt werden kann.
Mehr Infos zum Projekt und zu den Teilnehmenden inklusive Porträts und einem Abschlusskommentar finden sich auf der Website des DOSB.
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