
Keine Behinderung ist wie die andere, doch liefern Statistiken einige aufschlussreiche Fakten über ihre grundsätzliche Verteilung in der deutschen Bevölkerung. Arbeitgeber und Inklusionsbeauftragte können dieses Wissen nutzen, um geeignete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.
Ende 2025 lebten in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 7,8 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung. Als schwerbehindert gelten Personen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50. Nur drei Prozent der Schwerbehinderungen waren angeboren oder traten im ersten Lebensjahr auf. Dagegen wurden 91 Prozent durch eine Krankheit verursacht.
Am häufigsten sind der Statistik zufolge körperliche Beeinträchtigungen. Bei 57 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung sind sie die Ursache für die Schwerbehinderung. Bei 27 Prozent von ihnen sind die inneren Organe betroffen. Zehn Prozent leben mit einer eingeschränkten Funktion der Arme und/oder Beine, bei neun Prozent sind die Wirbelsäule oder der Rumpf nicht mehr voll funktionsfähig.

© REHADAT / Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Stichtag: 31.12.2025

© REHADAT / Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Stichtag: 31.12.2025
Kritisch ist, dass bestimmte Berufsgruppen ein besonders hohes Risiko für körperliche Behinderungen haben. Das betrifft beispielsweise Beschäftigte im Bauwesen oder in der Produktion. Sie können schweren körperlichen Belastungen oder erzwungenen Haltungen sowie Reizstoffen ausgesetzt sein. Dies trifft so oder so ähnlich auch auf Menschen im Transportwesen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen zu. Letztere sind weniger durch Reizstoffe, sondern durch ein höheres Infektionsrisiko gefährdet. In den meisten dieser Berufsbilder kommen noch unregelmäßiger Schichtdienst und Stress erschwerend hinzu.
16 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung leben mit geistigen oder seelischen Behinderungen. Die häufigste Form einer seelischen Behinderung ist eine Depression: 2023 wurden rund 261.200 Menschen wegen wiederkehrender depressiver Störungen im Krankenhaus behandelt. 2024 verursachten Depressionen erneut die meisten Fehltage bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern. Dabei steigen die Fehlzeiten wegen einer Depression mit zunehmendem Alter der Betroffenen stark an. Besonders betroffen sind Mitarbeitende in der Kinderbetreuung und Altenpflege. Beschäftigte in diesen sozialen Berufen haben bis zu 71 Prozent mehr psychisch bedingten Arbeitsausfall als der Durchschnitt.
Viele Schwerbehinderungen treten erst in fortgeschrittenem Alter auf: 45 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung sind zwischen 55 und 74 Jahre alt, weitere 34 Prozent älter.

© Statistisches Bundesamt
Und nur ein Prozent der Schwerbehinderungen ist auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Dennoch ist jeder einzelne vermeidbare Fall zu viel. Arbeitgeber sollten daher alle Möglichkeiten der Prävention nutzen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei eine optimale Arbeitsgestaltung. Arbeitsplätze sollten ergonomisch und sicher ausgestaltet sein – etwa durch technische Hilfsmittel wie höhenverstellbare Tische oder Hebehilfen. Ergänzend lässt sich das Arbeitsumfeld anpassen, zum Beispiel durch richtige Beleuchtung oder optimierte Wegeführung.
Regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) bieten ebenfalls einen wichtigen Hebel: Sie sind nicht nur Pflicht, sondern müssen ausdrücklich auch psychische Belastungen erfassen – etwa Zeitdruck, hohe Arbeitsdichte oder unklare Zuständigkeiten. Genau hier liegt ein zentraler Hebel, um längere Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen und mögliche dauerhafte Beeinträchtigungen frühzeitig zu verhindern. Es gibt weitere Maßnahmen mit Langzeitwirkung: realistische Ziele, eine wertschätzende Führungskultur sowie Schulungen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die die individuelle Resilienz stärken. Unterstützung kommt dabei nicht nur aus dem Management selbst. Auch der betriebsärztliche Dienst, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder die Schwerbehindertenvertretung stehen Unternehmen beratend zur Seite, wenn es um sinnvolle Prävention geht.