Die Illustration zeigt Symbole für verschiedene Behinderungsarten: Chronische Krankheiten, Gehbehinderung, Hör- und Sprachbehinderung, geistige Beeinträchtigung und Blindheit.
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20.08.2026 Lesedauer: 5 min.

Die häufigsten Behinderungsarten

Keine Behinderung ist wie die andere, doch liefern Statistiken einige aufschlussreiche Fakten über ihre grundsätzliche Verteilung in der deutschen Bevölkerung. Arbeitgeber und Inklusionsbeauftragte können dieses Wissen nutzen, um geeignete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Ende 2025 lebten in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 7,8 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung. Als schwerbehindert gelten Personen mit einem Behinderungs­grad von mindestens 50. Nur drei Prozent der Schwer­behinderungen waren angeboren oder traten im ersten Lebensjahr auf. Dagegen wurden 91 Prozent durch eine Krankheit verursacht.

Am häufigsten sind der Statistik zufolge körperliche Beeinträchtigungen. Bei 57 Pro­zent der Menschen mit Schwer­be­hinde­rung sind sie die Ursache für die Schwer­be­hinde­rung. Bei 27 Prozent von ihnen sind die inneren Organe betroffen. Zehn Prozent leben mit einer eingeschränkten Funktion der Arme und/oder Beine, bei neun Prozent sind die Wirbelsäule oder der Rumpf nicht mehr voll funktionsfähig.

Kritisch ist, dass bestimmte Berufsgruppen ein besonders hohes Risiko für körper­liche Behinderungen haben. Das betrifft beispiels­weise Beschäftigte im Bauwesen oder in der Produktion. Sie können schweren körperlichen Belastungen oder er­zwun­genen Haltungen sowie Reiz­stoffen ausgesetzt sein. Dies trifft so oder so ähnlich auch auf Menschen im Transportwesen sowie in Gesundheits- und Pflege­berufen zu. Letztere sind weniger durch Reizstoffe, sondern durch ein höheres Infektions­risiko gefährdet. In den meisten dieser Berufsbilder kommen noch unregelmäßiger Schichtdienst und Stress erschwerend hinzu.

16 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung leben mit geistigen oder seelischen Behinderungen. Die häufigste Form einer seelischen Behinderung ist eine Depression: 2023 wurden rund 261.200 Menschen wegen wieder­kehrender depres­siver Störungen im Kranken­haus behandelt. 2024 verur­sach­ten Depressionen erneut die meisten Fehltage bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern. Dabei steigen die Fehlzeiten wegen einer Depression mit zunehmendem Alter der Betroffenen stark an. Besonders betroffen sind Mitarbeitende in der Kinderbetreuung und Altenpflege. Beschäftigte in diesen sozialen Berufen haben bis zu 71 Prozent mehr psychisch bedingten Arbeitsausfall als der Durchschnitt. 

Prävention wirkt

Viele Schwerbehinderungen treten erst in fortgeschrittenem Alter auf: 45 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung sind zwischen 55 und 74 Jahre alt, weitere 34 Pro­zent älter. 

Und nur ein Prozent der Schwerbehinderungen ist auf einen Unfall oder eine Berufs­krankheit zurückzuführen. Dennoch ist jeder einzelne vermeidbare Fall zu viel. Arbeitgeber sollten daher alle Möglichkeiten der Prävention nutzen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei eine optimale Arbeitsgestaltung. Arbeitsplätze sollten ergo­nomisch und sicher ausgestaltet sein – etwa durch technische Hilfsmittel wie höhen­verstellbare Tische oder Hebehilfen. Ergänzend lässt sich das Arbeits­umfeld anpassen, zum Beispiel durch richtige Beleuchtung oder optimierte Wegeführung. 

Regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen nach § 5 des Arbeits­schutz­gesetzes (ArbSchG) bieten ebenfalls einen wichtigen Hebel: Sie sind nicht nur Pflicht, sondern müssen ausdrücklich auch psychische Belastungen erfassen – etwa Zeitdruck, hohe Arbeits­dichte oder unklare Zuständig­keiten. Genau hier liegt ein zentraler Hebel, um längere Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen und mögliche dauerhafte Beein­trächti­gungen früh­zeitig zu verhindern. Es gibt weitere Maßnahmen mit Lang­zeit­wirkung: realistische Ziele, eine wert­schätzende Führungs­kultur sowie Schulungen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die die individuelle Resilienz stärken. Unterstützung kommt dabei nicht nur aus dem Management selbst. Auch der betriebsärztliche Dienst, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder die Schwerbehindertenvertretung stehen Unternehmen beratend zur Seite, wenn es um sinnvolle Prävention geht.