© Anna Spindelndreier
15.10.2026 Lesedauer: 4 min.

„Keine Angst haben, eine SBV-Wahl zu organisieren“

Die Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung (SBV) stehen kurz bevor. Und auch dieses Jahr gibt es Betriebe, die zum ersten Mal eine SBV-Wahl durchführen. Wie sich „Neulinge“ auf die Wahlen vorbereiten, wo sie sich informieren können und warum sie sich überhaupt entschlossen haben, eine Wahl durchzuführen – darüber haben wir mit Kim Plewe, Markus Priebe und Jasmin Moran gesprochen, den Mitgliedern des Wahlvorstands der win gGmbH, einer Reinigungsfirma aus Würzburg, die in ihrem Betrieb erstmalig eine SBV-Wahl initiiert haben.

Warum haben Sie sich entschieden, erstmalig eine SBV-Wahl in Ihrem Betrieb zu organisieren?

Kim Plewe: Als Inklusionsbetrieb sind wir an dem Thema nah dran, und wir wollten, dass die Mitarbeiter einen Ansprechpartner haben.

Markus Priebe: Wir haben als Inklusionsbetrieb auch viele Mitarbeiter mit seelischen Erkrankungen. Ich kenne mich aus eigener Erfahrung in dem Thema gut aus und konnte schon einigen Kollegen helfen, wenn es zum Beispiel darum ging, Probleme bei Vorgesetzen anzusprechen. Ich finde es deshalb wichtig, dass es für solche Situationen auch einen offiziellen Ansprechpartner im Betrieb gibt, an den sich die Menschen vertrauensvoll wenden können. Früher hätte ich mir auch so eine Person gewünscht. 

Jasmin Moran: Stimmt, mir geht es da ähnlich. Die Mitarbeiter mit Behinderung sollen jemanden im Betrieb haben, bei dem sie sich aussprechen können. Ich selbst habe körperliche Einschränkungen, wie auch viele Kollegen. Deshalb stelle ich mich auch selbst zur Wahl, weil ich hier Ansprechpartnerin sein will. 

Wie sind Sie das Thema angegangen? Wo haben Sie sich informiert?

Kim Plewe: Das Inklusionsamt ist ja unser Hauptansprechpartner in allen Belangen von Mitarbeitern mit Behinderung. Deshalb haben wir uns dort zuerst informiert. Und dann haben wir auch die Informationsangebote der BIH genutzt.

Wie verlaufen die Vorbereitungen bisher? 

Markus Priebe: Bisher haben wir für uns die formalen Fragen geklärt: Welches Wahlverfahren müssen wir anwenden, wer ist wahlberechtigt, wer darf gewählt werden, und so weiter. Dann haben wir den Wahlvorstand gewählt.

Jasmin Moran: Da wir viele Wahlberechtigte haben, die an anderen Standorten sitzen, hatten wir überlegt, ob wir die Wahl des Wahlvorstands auch als Online-Meeting machen können. Das ging aber nicht. Deshalb haben wir alle hier nach Würzburg eingeladen. Wir waren sehr gespannt, wie viele kommen würden.

Kim Plewe: Genau, die Wahl des Wahlvorstands war für uns auch ein bisschen ein Test, ob wir die eigentliche SBV-Wahl auch vor Ort durchführen können. Sie ist auf jeden Fall gut gelaufen. Deshalb werden wir die SBV-Wahl auch vor Ort durchführen, wollen aber zusätzlich die Briefwahl anbieten, damit auch die Mitarbeiter teilnehmen können, die weiter von unserer Zentrale entfernt arbeiten.

Gab es bei den Vorbereitungen Schwierigkeiten? Wenn ja, welche? Und wie haben Sie die gelöst?

Jasmin Moran: Wie gerade gesagt, hat uns die Frage sehr beschäftigt, wie wir die Leute alle hier an einen Ort bekommen. Wir haben viele Standorte, die über ganz Bayern verstreut sind, und die Wahlberechtigten hätten dann zum Teil weite Anreisen. Deshalb haben wir uns ja dazu entschieden, auch eine Briefwahl durchzuführen.

Kim Plewe: Und zu Beginn waren einfach viele fachliche Fragen zu klären. Wir kannten uns bis dahin in der Thematik nicht aus. Wir mussten erstmal verstehen, welche Vorgaben die Wahlordnung macht.

Jasmin Moran: Wir freuen uns jetzt aber auf die Wahl. 

Was ist Ihr Tipp für andere, die auch überlegen, eine SBV-Wahl anzustoßen?

Markus Priebe: Mein Tipp ist, dass man erstmal schaut: Gibt es Bedarf für eine Schwerbehindertenvertretung. Und sind überhaupt die Voraussetzungen dafür erfüllt. Also: Gibt es genügend Wahlberechtigte, um eine Schwerbehindertenvertretung wählen zu dürfen.

Kim Plewe: Und wenn man wie wir zum ersten Mal eine SBV-Wahl organisiert, sollte man vorab klären, ob im Betrieb auch Personen sind, die die Wahl zeitlich organisieren können und wollen. Denn wenn sich keiner um die Wahlvorbereitungen kümmern möchte, wird es schwer. Wenn man das geklärt hat, sollte man auf jeden Fall die Hilfsangebote nutzen, um sich zu informieren. 

Jasmin Moran: Und einfach keine Angst davor haben.

Zum Betrieb und den Interviewpartnern

Die win gGmbH ist ein Inklusionsunternehmen, das Reinigungs- und Haus­meister­dienste anbietet. Insgesamt arbeiten 430 Mitarbeitende an fünf Standorten. Die Unternehmenszentrale befindet sich in Würzburg.
2026 führt das Unternehmen erstmalig eine Wahl zur Schwerbehindertenvertretung durch. Aufgrund der hohen Zahl an Wahlberechtigten und der vielen Betriebs­standorte muss im förmlichen Verfahren gewählt werden.

Markus Priebe: Teamleiter des Hausmeister-Teams und für die Koordination von Einsätzen, Einkauf und Wochenarbeitsplanung zuständig. Er ist seit sechs Jahren bei der win gGmbH.

Jasmin Moran: Verwaltungsmitarbeiterin und zuständig für den digitalen Fuhrpark. Sie ist seit zehn Jahren bei der win gGmbH.

Kim Plewe: Mitarbeiterin in der Personalabteilung und unter anderem zuständig für Förderanträge beim Inklusionsamt. Sie ist seit zwei Jahren bei der win gGmbH.

Gemeinsam bilden die drei den Wahlvorstand.

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