
„Ich habe 123 Bewerbungen geschrieben, in sieben Firmen als Praktikant gearbeitet und war bestimmt auf über 20 Vorstellungsgesprächen.“ Das sagt Mark Bohleber, Fachkraft für Lagerlogistik, eine gefragte Qualifikation. Aber: „Was habe ich an Ablehnungen gekriegt.“ Denn Mark Bohleber hat ein Handicap.
Seine Geschichte erzählt der junge Lagerlogistiker in einem Vier-Minuten-Kurzfilm. Mark Bohleber hat eine Autismus-Spektrum-Störung. Im Logistikzentrum Wiesloch der Netze BW GmbH bekam er eine berufliche Chance. Heute bewegt er sich ganz selbstverständlich auf dem riesigen Gelände des Logistikzentrums.
„Ich kann mich nicht so gut in Gefühle von anderen Menschen hineinversetzen“, fasst Mark Bohleber die Auswirkung seiner Behinderung in Worte. Da kann es schnell mal zu einem Missverständnis, wenn nicht sogar einem Konflikt kommen. Zumal er eine Kommunikation ohne Schnörkel braucht, oder wie es Hendrik Onnen, Teamleiter Logistik in Wiesloch, formuliert: „Er braucht klare und präzise Anweisungen.“ Dann kann Bohleber seine große Stärke bei der Erledigung seiner Aufgaben ausspielen. Teamleiter Onnen lobt: „Ich weiß, das ist zu 100 Prozent erledigt“, Kontrolle überflüssig.

© Johanna Bleß
Onnen war offen für seinen neuen Mitarbeiter mit Handicap. Er hat sich Unterstützung organisiert, zum Beispiel von der Schwerbehindertenvertretung. Führungskräfte sowie die Kolleginnen und Kollegen konnten das Verhalten des Neuzugangs besser einordnen, weil Fachleute von Inklusions- und Integrationsfachdienst (IFD) und KVJS-Inklusions- und Integrationsamt sie vor Ort für die Auswirkungen einer autistischen Störung sensibilisierten. Mit dem richtigen Verstehen kam das Verständnis. Und wenn´s doch mal knirscht oder klemmt, schaltet Mark Bohleber seinen Ansprechpartner vom IFD ein.
Zwischenbilanz: Passende Kommunikation – check, zuverlässige Aufgabenerfüllung – check. Aber wie in jeder interessanten Geschichte gibt es noch ein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg: „Meine Handgriffe gehen halt nicht so schnell wie bei anderen“, weiß Logistikfachmann Bohleber. Und wie in jeder guten Geschichte gibt es jemanden, der das Hindernis vielleicht nicht zur Seite schafft, aber einen kleinen Umweg darum ebnet.
Dieser Jemand war in Mark Bohlebers Fall das Inklusions- und Integrationsamt des KVJS. Dessen sorgsam geebneter Umweg trägt die schöne amtliche Bezeichnung „Beschäftigungssicherungszuschuss“ zu den Lohnkosten des Arbeitgebers. „Es ist Hilfe da, man muss nur bereit sein, sie anzufordern und anzunehmen“, betont Teamleiter Onnen. Denn das durch die Behinderung entstandene Hindernis wird bleiben. Der Umweg aber auch. Und so kann Mark Bohleber ein wenig verschmitzt feststellen: „Da die Firma finanziell bezuschusst wird, bin ich als Arbeitskraft ja auch ein bisschen ein Geschenk für die Firma.“
Monika Kleusch
Über Mark Bohleber hat der KVJS einen kleinen Film drehen lassen. Als gelungenes Beispiel beruflicher Teilhabe ist er im Rahmen der Info-Kampagne „Stellt Euch nicht so an. Stellt uns an.“ zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zu sehen.
Weitere Beispiele für gelungene Inklusion im Arbeitsleben finden Sie auf der speziell für die Kampagne entwickelten Landingpage – und noch vieles mehr.
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