
„Jeder Mensch, der arbeiten möchte, sollte auch Arbeit bekommen.“ Das ist die Überzeugung von Andreas Weinhut, Geschäftsführer des gleichnamigen Logistikunternehmens im bayerischen Neutraubling und deshalb wollte er sich 2023 inklusiver aufstellen. Doch wie fängt man da an? Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber konnten helfen.
Die Weinhut GmbH aus Neutraubling in Bayern ist ein Logistikunternehmen für Kurier-, Express- und Paketversand. 2023 übernahm Andreas Weinhut die Unternehmensführung von seinem Vater. „Beim Thema Inklusion waren wir damals schlecht aufgestellt. Das wollte ich gezielt ändern“, berichtet der Unternehmer. Doch wie fängt man da an? „Ich habe mich durch eine ganze Reihe von Beratungsangeboten zum Thema Inklusion telefoniert, bis ich schließlich bei den Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) gelandet bin“, erinnert sich Andreas Weinhut. Und hier konnte ihm EAA-Berater Martin Schmid weiterhelfen. Er informierte zu Fördermöglichkeiten und stellte Kontakt zu den verschiedenen Ansprechpartnern wie dem ZBFS-Inklusionsamt, dem Integrationsfachdienst und der Agentur für Arbeit her (siehe Infokasten: Ein Beispiel für gelungene Netzwerkarbeit). „Das hat uns viele Türen geöffnet und eine Vertrauensbasis bei den Netzwerkpartnern und den Bewerbern geschaffen“, sagt Andreas Weinhut.

© Fabian Stürtz
Bei der Weinhut GmbH war unter anderem die gute und koordinierte Zusammenarbeit von EAA und Agentur für Arbeit der Schlüssel zum Erfolg. Die Agentur für Arbeit (AA) Regensburg war von Anfang an eng in den Sachverhalt involviert – auch bei den beiden neuen Arbeitsverhältnissen. Bei einem Mitarbeiter, der nun als Belader, Werkstatthelfer und Kurierfahrer beschäftigt ist, bewilligte die AA neben „Schnuppertagen“ auch einen Eingliederungszuschuss.
Weitere Beispiele für gute Netzwerkarbeit finden Sie in der Toolbox Netzwerkarbeit. Die gemeinsame Arbeitshilfe der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsämter und Hilfen der Sozialen Entschädigung (BIH) e.V. bietet konkrete Handlungsempfehlungen und Materialien, die bei der Beratung und Unterstützung von Arbeitgebern sowie bei der Vermittlung von Menschen mit Schwerbehinderung eingesetzt werden können. Die Publikation kann als PDF-Datei kostenfrei heruntergeladen werden.
Einer der ersten Schritte bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden war die Teilnahme an der inklusiven Jobmesse in Regensburg. Die Firma Weinhut beteiligte sich beim sogenannten Job-Speeddating. Und bei einem dieser „Dates“ saßen Andreas Weinhut und seine Assistentin Julia Möslein dann Patricia Lorenz gegenüber. Die heute 29-Jährige hat spinale Muskelatrophie (Muskelschwund) und sitzt im Rollstuhl. „Wir haben direkt gemerkt, dass Patricia gut in unser Team passen würde und dass sie sehr qualifiziert ist“, sagt Andreas Weinhut. Und so erarbeitete er zusammen mit Julia Möslein und Patricia Lorenz ein passendes Jobprofil. „Wir haben geschaut: Wo liegen ihre Stärken, welche Aufgaben kann sie gut übernehmen und welche Rahmenbedingungen müssen wir dafür schaffen“, beschreibt Andreas Weinhut sein Vorgehen. Bei Patricia Lorenz wurde unter anderem ein Homeoffice-Arbeitsplatz eingerichtet, da das Firmengebäude nicht barrierefrei ist. Martin Schmid unterstützte bei den verschiedenen Förderanträgen. Heute arbeitet Patricia als Personalassistentin und Recruiterin bei Weinhut.
Nach Patricia folgten weitere Einstellungen von Mitarbeitenden mit Behinderungen. Und jedes Mal wurde nicht ein Mitarbeiter für einen bestimmten Job gesucht, sondern es wurde geschaut, wo kann derjenige gut eingesetzt werden. „Das ist wirklich das Besondere bei der Weinhut GmbH. Mittels Jobcarving werden für die Menschen passende Stellen geschaffen“, betont EAA-Berater Martin Schmid. Er ist im regelmäßigen Austausch mit dem Unternehmen, um zu schauen, für welche Klienten der Netzwerkpartner es möglicherweise eine Stelle bei Weinhut geben könnte, fragt aber auch, wie es in den bestehenden Arbeitsverhältnissen läuft und unterstützt bei Bedarf.
Wir als Arbeitgeber haben so viele Baustellen, um die wir uns kümmern müssen, da ist es super, wenn es Experten gibt, die einen an die Hand nehmen und gerade zu Beginn unterstützen
Andreas Weinhut, Geschäftsführer Weinhut GmbH
Mittlerweile arbeiten in dem Logistikunternehmen sechs Menschen mit Behinderungen. Andreas Weinhut sieht sich mit seiner Entscheidung, Inklusion proaktiv anzugehen, auf dem richtigen Weg – in mehrerlei Hinsicht: „Das Betriebsklima hat sich verbessert. Diverse Teams sind stärker und resilienter. Aber ich bin auch einfach davon überzeugt, dass jeder, der arbeiten möchte, auch arbeiten können soll.“ Und für diese Überzeugung nimmt er auch den höheren Aufwand bei der Einstellung der Mitarbeitenden gern in Kauf. „Das liegt daran, dass wir die Stellen inklusiv ausschreiben, also ohne vorgegebenes Jobprofil. Wenn ein Bewerber zu uns passt, dann bauen wir für ihn den passenden Job. Dafür müssen wir im Vorfeld viele Gespräche führen, damit wir wissen, wo die individuellen Stärken liegen.“ Heute gebe es bei keinem der Arbeitsverhältnisse Probleme. „Die laufen alle gut“, bestätigt Andreas Weinhut. Und wenn es Fragen gibt, erhält er von Martin Schmid weiterhin Unterstützung. „Die EAA sind ein absolut wichtiges Angebot. Wir als Arbeitgeber haben so viele Baustellen, um die wir uns kümmern müssen, da ist es super, wenn es Experten gibt, die einen an die Hand nehmen und gerade zu Beginn unterstützen“, sagt Andreas Weinhut, denn: „Wir wollen alle mehr Inklusion am Arbeitsmarkt.“
ZBFS Inklusionsamt:
• Förderungen im Rahmen der „Initiative Inklusion“
• Förderung der Arbeitsplatzausstattung (§ 26 SchwbAV)
• Beschäftigungssicherungszuschuss (§ 27 SchwbAV)
• Unterstützung durch den Integrationsfachdienst (IFD)
Agentur für Arbeit:
• Probebeschäftigung
• Eingliederungszuschuss
• Mehrfachanrechnung bei der Besetzung von Pflichtarbeitsplätzen
In einem Kurzfilm stellen Mitarbeitende – unter anderem auch Patricia Lorenz – und Geschäftsführer Andreas Weinhut den besonderen Ansatz des Logistikunternehmens bei der Personalgewinnung vor.
Das Engagement des Logistikunternehmens für die Schaffung inklusiver Arbeitsplätze wurde am 26. Juni 2026 mit bayerischen Inklusionpreis JobErfolg in der Kategorie „Innovationspreis“ ausgezeichnet.
Die Auszeichnung JobErfolg wird alle zwei Jahre in vier Kategorien an Arbeitgeber, die sich in besonderer Weise für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung engagieren, verliehen.