
Nachdem Jean-Michel Hess ein Praktikum im Raumausstattungsbetrieb von Christian Bender absolviert hatte, stand für den Chef fest, dass er den jungen Mann trotz einer angeborenen Hörbehinderung fest anstellen wollte. Er suchte deshalb den Kontakt zur Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) beim Bildungswerk der hessischen Wirtschaft e. V.
Jean-Michel Hess ist 23 Jahre alt und wohnt in Oberursel. Der junge Mann lebt seit seiner Geburt mit einer Hörbehinderung. Seit November 2020 trägt er ein Cochlea-Implantat, das ihm neue Möglichkeiten eröffnet hat. Nach einer vierjährigen Ausbildung zum Raumausstatter am Berufsbildungswerk Nürnberg kehrte er in seine hessische Heimatregion zurück. Hier erhielt er von Raumausstatter Christian Bender, der das Familienunternehmen „Bender Raumausstattung“ mit aktuell vier Mitarbeitenden führt, die Chance, sich in mehreren Praktika zu beweisen – mit Erfolg: „Mich hat vor allem seine Motivation überzeugt. Jean-Michel hat im Gespräch deutlich gemacht, dass er wirklich arbeiten und lernen möchte. Außerdem war er offen im Umgang mit seiner Hörbehinderung und hat gezeigt, dass er bereit ist, Lösungen zu finden.“ Christian Bender entschloss sich deshalb, Jean-Michel Hess eine Festanstellung anzubieten.

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Der Arbeitgeber zeigte von Beginn an persönliches Engagement und war offen für die Beschäftigung von Mitarbeitenden mit besonderen Bedürfnissen.
Christof Groß, EAA-Berater beim Bildungswerk der hessischen Wirtschaft e. V.
Christof Groß ist EAA-Berater beim Bildungswerk der hessischen Wirtschaft e. V. Bei einem Arbeitgeber-Netzwerktreffen lernte er Christian Bender kennen. „Das war früh am Morgen um sieben Uhr in angenehmer Atmosphäre bei einem guten Frühstück“, erinnert sich Christof Groß. Und er erinnert sich auch noch gut an seinen ersten Eindruck: „Es handelt sich um einen kleinen Handwerksbetrieb mit ausgeprägter Bereitschaft zur inklusiven Beschäftigung, jedoch begrenzter Erfahrung im Umgang mit Behinderung.“ Für den EAA-Berater eine gute Ausgangsposition, denn Überzeugungsarbeit zur Einstellung von Jean-Michel Hess musste er bei Christian Bender nicht mehr leisten. „Herr Bender suchte aktiv Orientierung zu rechtlichen, organisatorischen und förderrechtlichen Rahmenbedingungen, um eine nachhaltige und stabile Beschäftigung zu ermöglichen“, beschreibt Christof Groß die Anforderung an ihn. Und der EAA-Berater konnte helfen: „Herr Groß hat uns vor allem bei Fragen rund um die rechtlichen, organisatorischen und förderrechtlichen Rahmenbedingungen unterstützt. Er hat uns die passenden Fördermöglichkeiten aufgezeigt, den Prozess koordiniert und dafür gesorgt, dass alle Anträge und Fristen sauber eingehalten wurden. Zusätzlich hat er den Austausch mit den zuständigen Stellen übernommen und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt“, fasst Christian Bender die Unterstützung durch den EAA-Berater zusammen.

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Besonders viel Freude macht mir das Polstern von alten Möbeln mit Schaumstoff in moderner Technik. Dabei kann ich alten Möbelstücken wieder neues Leben geben, sodass sie weiter genutzt werden können.
Jean-Michel Hess, Raumausstatter mit Hörbehinderung
• Eingliederungszuschuss von der Agentur für Arbeit (einmal verlängert)
• Einstellungsprämie aus dem hessischen HePAS-Programm (mehr Infos, siehe unten)
• Unterstützung durch den Integrationsfachdienst (IFD)
Jean-Michel Hess ist mittlerweile gut in seinem Job angekommen. Doch das war auch nach der erfolgreichen Einstellung kein Selbstläufer, denn die Hörbehinderung erforderte gerade in der Anfangszeit immer wieder Anpassungen am Arbeitsplatz und an den Arbeitsabläufen. „Zu Beginn ging es vor allem darum, die Kommunikation im Arbeitsalltag aufeinander abzustimmen und gemeinsame Abläufe zu finden“, schildert Christian Bender. Man habe schnell gelernt, sich klarer und bewusster auszutauschen, wodurch sich die Zusammenarbeit zügig eingespielt habe. „Für Mitarbeitende mit Hörbehinderung sind klare Kommunikationswege und die Gewährleistung von Arbeitssicherheit zentrale Aspekte“, betont EAA-Berater Christof Groß. Er und die weiteren Leistungsträger unterstützten Christian Bender, Kommunikationsstrukturen zu definieren, eine offene Feedbackkultur einzuführen und begleitende Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. „So konnten die Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden“, fasst Christof Groß zusammen. Für Jean-Michel Hess bedeuteten diese Anpassungen in der Arbeitsorganisation, dass er sich auf seine fachliche Weiterentwicklung konzentrieren konnte, zum Beispiel bei Bodenverlegearbeiten, die mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte erfordern. „Die funktionieren mittlerweile richtig gut“, freut sich sein Chef Christian Bender. Auch an einem Tapetenseminar konnte der junge Mann teilnehmen und seine Kenntnisse weiter ausbauen. Insgesamt ist Christian Bender mit seiner Entscheidung, einem Menschen mit Schwerhinderung eine Chance gegeben zu haben, froh, denn er hat einen engagierten und zuverlässigen Mitarbeiter gewonnen: „Wenn er gebraucht wird, ist Jean-Michel zuverlässig zur Stelle. Zuletzt hat er auch bei der Renovierung eines Bankengebäudes in einer Nachtschicht ohne Zögern mit angepackt, das schätze ich sehr.“
HePAS steht für Hessisches Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen.
Seit 2014 verfolgt das Programm das Ziel, die beruflichen Teilhabechancen für Menschen mit Schwerbehinderung langfristig zu verbessern und gleichzeitig die Bereitschaft der Arbeitgeber zu fördern, Menschen mit Schwerbehinderung eine berufliche Perspektive zu bieten.
Das aktuelle Programm HePAS 2024 hat eine Projektlaufzeit von 2024 bis Ende 2026 und bietet unter anderem:
• Prämien bei Praktika und Probebeschäftigung
• Prämien für die Ausbildung und Einstellung eines Menschen mit Schwerbehinderung
• Förderung der Arbeitsmarktintegration von Schulabgehenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf
• Förderung des Übergangs aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis
• Prämien für den Abschluss einer Inklusionsvereinbarung
• Einrichtung von Inklusionsberatungen in den hessischen Industrie- und Handels- sowie den Handwerkskammern
• Förderung innovativer Projekte, die die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung verbessern
Viele Informationen zu den Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber finden Sie auf der BIH-Themenseite.
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