Ein Mann mittleren Alters im Arbeitsoverall und Schutzhelm mit aufgeklapptem Visier steht mit einem Holzblock vor einem großen Brennholzstapel.
© Rupert Oberhäuser
03.03.2021 Lesedauer: 8 min.

Unternehmen Inklusion

GaLa Service Inklusions­­betrieb gGmbH ist einer der 149 Inklusions­­betriebe im Rhein­land, ein Garten- und Landschaftsbau­betrieb in Bergheim bei Köln. Arbeit:inklusiv! hat den Betrieb besucht und zeigt, warum Inklusions­unternehmen ein Gewinn für alle Beteiligten sind.

Der Mitarbeiter

Michael Schmitz lacht und rangiert dann den Pritschenwagen rückwärts über den Hof. Er fährt auf die Ausfahrt zu, lässt das Fenster herunter und schiebt den Ellenbogen über die Kante. Das sieht lässig aus und klingt alltäglich, ist jedoch für Michael Schmitz und seine Arbeitgeberin ein großer Erfolg. Schmitz hat kürzlich seinen Führerschein gemacht, mit Unterstützung der GaLa Service Rhein-Erft Inklusionsbetrieb gGmbH, bei der er arbeitet. Er ist einer von sechs Mitarbeitern mit einer Schwerbehinderung in dem kleinen Betrieb.

Ein Mann mittleren Alters sitzt am Steuer eines weißen Kastenwagens. Auf der Fahrertür ist des Logo der GaLa Service gGmbH zu sehen.
Martin Schmitz ist stolze auf den kürzlich bestandenen Führerschein.

Schmitz ist seit 2018, seit der Gründung, im Betrieb beschäftigt. Er arbeitete zuvor in der Werkstatt und wurde von GaLa Service als Hilfsarbeiter übernommen. „Ich mache ähnliche Sachen wie ein Geselle“, erklärt er. „Pflastern, Regenrinnen setzen, Hecken scheren und so weiter“.

Er wurde zunächst zur Probe in einer Art Praktikum angestellt und dann fest übernommen – in einem regulären Arbeitsverhältnis mit Tariflohn. Im letzten Jahr bestand er dann – mit Unterstützung seiner Arbeitgeberin – den Führerschein. Er zog außerdem in eine eigene Wohnung und freut sich über seine immer weiterwachsende Selbstständigkeit.

Auch seine Chefin Birgit Hummel ist stolz auf dieses neue Selbstbewusstsein – sie weiß, dass der feste Job mit gutem kollegialem Zusammenhalt und einer festen Struktur dazu entscheidend beigetragen hat.

Die Chefin

„Gartenarbeit macht den Kopf frei und vertreibt schlechte Gedanken“, sagt Birgit Hummel, die Geschäfts­führerin des Betriebs.

GaLa Service Inklusionsbetrieb gGmbH ist eine Ausgründung aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Hummel, auch Geschäftsleiterin der Werkstatt, erinnert sich an die ersten Ideen zur neuen Firma. „Damals haben wir uns überlegt, wie wir Arbeits­plätze schaffen können, außerhalb der Werkstatt“. Sie gärtnert selbst gerne, und auch die Gartengruppe in der Werkstatt läuft gut. So kam die Idee auf, in der Garten- und Landschaftsbau­branche zu gründen.

Unterstützt wurde Hummel unter anderem von der Aktion Mensch und dem LVR-Inklusionsamt. Das Inklusionsamt unterstützt Betriebe im Gründungs­prozess, und zwar von der Erstberatung bis zur Anerkennung als Inklusionsbetrieb.

Wenn jeder „am richtigen Platz“ ist, dann wird aus einer Herausforderung schnell eine Stärke.

Birgit Hummel, Geschäftsführerin der GaLa Service Inklusionsbetrieb gGmbH

Der LVR-Teamleiter

René Stenz ist Teamleiter in der Abteilung Inklusions­betriebe beim LVR-Inklusionsamt in Köln. Er betont, dass es sich bei Inklusions­betrieben nicht um karitative Unter­nehmungen handele. Im Gegenteil: Bei Neugründungen müssen zunächst ein Businessplan und eine betriebs­wirtschaftliche Stellung­nahme erarbeitet werden. Inklusionsbetriebe sollen nämlich – neben der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung – wettbewerbsfähig sein.

Es geht also nicht darum, Betriebe durch viel Förderung „künstlich“ am Leben zu erhalten, sondern die Arbeitgeber*innen dabei zu unterstützen, selbstständig und nachhaltig zu wirtschaften. „Die Wettbewerbs­fähigkeit muss gewahrt bleiben“, erklärt René Stenz vom LVR-Inklusionsamt. Stenz ist Teamleiter in der Abteilung Inklusions­betriebe und hat schon viele Inklusionsbetriebe begleitet.

„Die Mitarbeiter*innen in Inklusions­betrieben sind oft besonders zuverlässig und motiviert“, erklärt Stenz. Die Freude über eine*n gute*n und verständnisvolle*n Arbeitgeber*in schafft oft eine besondere Loyalität und das zeigt sich auch im Betriebsklima. Stenz betont, dass in Inklusions­betrieben oft eine hohe Achtsamkeit im Umgang miteinander zu beobachten sei – das ist nicht nur für die Mitarbeiter*innen mit Behinderung ein Plus.

Besonderheiten

Die Anforderungen an Vorgesetzte sind in einem Inklusionsbetrieb ein wenig anders und gehen über ein bloßes Management hinaus.

Das weiß auch GaLa-Betriebsleiter Aleksander Pintaric. Nach der Kernkompetenz im Umgang mit den Mitarbeitern befragt, ist seine Antwort: „Geduld“ und ein herzliches Lachen. Er erklärt, dass es manchmal etwas länger dauere, bis alles sitze, aber dann laufe meistens alles rund und die Mitarbeiter seien sehr zuverlässig. Gerade in einer Branche, die mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat, ist das ein wichtiges Kriterium.

Hummel und Pintaric sind sich einig: auf die Mitarbeiter mit ihren Einschränkungen und Bedürfnissen muss Rücksicht genommen werden – aber jeder habe eben auch andere Stärken. Wenn diese gut eingesetzt werden und jeder „am richtigen Platz“ ist, dann wird aus einer Herausforderung schnell eine Stärke.

René Stenz unterstreicht das auch mit seiner Erfahrung in anderen Betrieben: Die Behinderungen der Mitarbeiter*innen müssten natürlich berücksichtigt werden und Anleiter*innen und Vorgesetzte benötigten „ein besonderes Gespür für die Leute“. Dabei sollte im Umgang mit den Beschäftigten berücksichtigt werden: Was braucht der- oder diejenige, um seine Tätigkeit optimal ausführen zu können?

Die Inklusionsbetriebe sollen als Unternehmen am Markt solche Fragen erst einmal selbst bearbeiten. Wenn sie jedoch an Grenzen stoßen, steht das Inklusionsamt mit Unterstützungsangeboten zur Seite. Das können Jobcoachings sein oder technische Arbeitsplatzerstattungen. Ziel ist es jedoch, dass die Unternehmen möglichst selbstständig wirtschaften.

Das Fazit

Birgit Hummel betont, dass bei GaLa Service ein freundlicher, unterstützender, aber eben nicht überbehütender Umgang miteinander gepflegt wird. Das funktioniert gut, denn neben motivierten Mitarbeitern hat das Unternehmen auch eine gute Auftragslage und konnte wachsen.

Zuletzt wurde in Bergheim eine neue Betriebsstätte gebaut. Die Mitarbeiter sind zufrieden, es gibt sogar mehr Anfragen von potentiellen Bewerbern als freie Stellen. Birgit Hummel freut sich, dass der Plan der Unternehmens­gründung aufgegangen ist. Nicht nur, weil das Unternehmen wächst und gedeiht, sondern auch, weil Mitarbeiter durch den Job selbstständig und selbstbewusst wurden. So wie Michael Schmitz, der den Pritschenwagen vom Hof steuert und noch einmal winkt.

3 Fragen an René Stenz

Inklusionsbetriebe – weil es sich lohnt

René Stenz ist Leiter des Teams „Inklusionsunternehmen“ beim LVR-Inklusionsamt und echter „Überzeugungstäter“. Inklusionsbetriebe, da ist er sich sicher, sind lohnenswert für alle Beteiligten. Denn neben beruflicher Teilhabe von Menschen mit Behinderung bieten sie positive wirtschaftliche Effekte und auch die Auswirkungen auf das Betriebsklima sind ein echter Gewinn.